Dilemma
Die Bevölkerung Afrikas wächst. Damit steigen Nachfrage und Preise für landwirtschaftliche Produkte. Der Anreiz, „ungenutzte“ Wälder in Ackerflächen zu verwandeln, wird von Jahr zu Jahr größer. Die Aussicht auf ein Einkommen und Gewinn ist einer der stärksten Gründe für die Abholzung afrikanischer Wälder.
Fakt
Nicht jede Form der Aufforstung ist nachhaltig. Auch das Anlegen von industriellen Monokultur-Plantagen ist eine Form der Aufforstung. Doch sie tut der Biodiversität und der Bodenqualität selten gut und dient in erster Linie dazu, private Profite zu Lasten der lokalen Bevölkerung zu erwirtschaften.
Ein neuer alter Weg
Der Wald kommt wieder – sofern man ihn lässt. Schlüssel dazu sind dörfliche Gemeinschaften. Sie schützen ihre Wälder vor übermäßiger Nutzung und Ausbeutung. Rinder und Ziegen werden von den jungen Trieben ferngehalten. Exzessiver Landwirtschaft wird bewußt Grenzen gesetzt. ’Wehren sich gegen Änderung der Landnutzung von außen. Aufforstung und natürliche Regeneration sind Basis ihres heutigen und zukünftigen Lebensraums.
ROHA 1728 ist das Ergebnis einer langjährigen Auseinandersetzung mit den Themen Wald, Holz und Ostafrika.
RO & HA
Rolands Leben hat immer schon mit Holz zu tun. Aufgewachsen im Waldviertel absolviert er eine Tischlerlehre und restauriert fachmännisch alles aus Holz. Er studiert an der Universität für Bodenkultur Holz- und Forstwirtschaft und unterstützte beim Holzcluster Steiermark österreichische holzverarbeitende Unternehmen im Bereich Innovation und digitale Transformation.
Harald schreibt in den frühen 1990-er Jahren seine Diplomarbeit im Fach Politikwissenschaft über Tanzania und arbeitet im elterlichen Reisebüro in Dar es Salaam mit. Er erkundet immer neue Gebiete und Wege im Land und kennt Tanzania schon bald wie seine Westentasche. Beruflich setzt er sich intensiv mit entwicklungspolitischen Aspekten in der Zusammenarbeit zwischen tanzanischen und europäischen Unternehmen und NGOs auseinander.
Die beiden lernen sich Ende 2009 kennen, und gemeinsam arbeiten sie an europäischen Kooperationsprojekten rund um die Themen Forst und Holz.
Schönheit und Wert afrikanischer Hölzer …
2013 bereisen sie gemeinsam Tanzania und erste Ideen beginnen sich zu formen. Persönliches Interesse und berufliche Neigung, Neugier und vorhandenes Wissen ermöglichen einen raschen Einstieg in das weite und komplexe Feld von Akteuren und deren Umgang mit natürlichen Ressourcen in Tanzania. Sie machen ihre ersten Begegnungen mit afrikanischem Holz. Mninga ist das allround-timber für Innen und Aussen, Oben und Unten, egal ob rein funktional oder auch dekorativ. Schönheit und Zweckmäßigkeit begeistern die beiden von Anfang an, und sie werden Kunden bei Händlern im keko, dem großen Holzhandelsmarkt im Zentrum von Dar es Salaam.
In den folgenden Jahren bauen die beiden ein breites Netzwerk auf. Es umfasst Behörden auf staatlicher und regionaler Ebene, allen voran das Ministry of Natural Resources and Tourism sowie das Tanzania Forest Service, die Agenturen der bi- und multilateralen Entwicklungszusammenarbeit, und die breite NGO-Szene im Land. Der Austausch an Wissen und Ideen verdichtet sich. Die Frage, wie kann timber fair, nachhaltig und wertschöpfend gehandelt werden – wird zum zentralen Thema und intensiviert sich von Gespräch zu Gespräch.
… und deren nachhaltige Nutzung
Mit dem Besuch im Jahr 2019 kommen zwei zentrale Aspekte zu dieser Frage ins Spiel. Einerseits verschiedene technische Ansätze zu wood-tracking, also die Frage wie der Weg des Holzes von seinem Standort als Baum im Wald bis hin zum Endkunden (als verarbeitetes Produkt) eindeutig nachverfolgt werden kann, andererseits das politische Konzept der Community Forests – die Überantwortung von Rechten und Pflichten am Wald von der staatlichen Ebene an lokale Dorfgemeinschaften. Dieses Konzept wird in vielen Ländern Afrikas seit mehr als 20 Jahren diskutiert. Es betrifft die zentrale Frage des Umgangs mit Ressourcen, die allen gehören (common goods). Bände dazu füllen Bibliotheken. Doch den Ansatz tatsächlich umzusetzen, erweist sich als schwierig.
In diesem Zusammenhang lernen Roland und Harald 2020 die Mpingo Conservation & Development Initiative (MCDI) kennen. Es folgen field trips in die südlichen Miombo-Wälder, Besuche in den Dörfern der community forests und das Kennenlernen der Hürden und Prozesse ostafrikanischer Waldbewirtschaftung. Im Februar 2023 wird ROHA 1728 gegründet.




























